Von wegen Saure-Gurken-Zeit: Slotracing-History mit amerikanischem Einschlag ...


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Geschrieben von Totoslot am 11. August 2003 16:54:41:

Es gibt zahlreiche Geschichten, die mit der eigentliche "Geburt" von Modellauto-Rennen verbunden sind und die meisten sind über die Jahre mehr und mehr ausgeschmückt worden. Soweit ich mich erinnern kann, und dies ist meine persönliche Version, fängt Modellauto-Rennen tatsächlich in England in den 40ern an und es ist tatsächlich eher "Railracing" anstatt "Slotracing". Der frühe Slotcar ist durchaus den Lokomotiven der elektrischen Modelleisenbahn ähnlich, indem er die elektrische Spannung von Schienen [rails] abnimmt, die über der Rennbahnoberfläche montiert sind.

In die frühen 50ern fällt der Wechsel von "rails" zum "slot", wodurch die Autos sich mehr wie richtige Rennwagen verhalten – sie driften um die Kurven. Bald danach machten sich kleine Autorennbahnpackungen mit kleinen 1/32er Autos auf ihren Weg über den Atlantik und in die Heime der Wohlhabenden, wo neben den aufwendigen elektrischen Modelleisenbahnen mit ihnen gespielt wird. Man weiß nicht genau, ob der erste Importeur die Firma Strombecker war, aber schnell wird der Markt mit preiswerten Rennbahnen, Autos, Reglern und 30cm langen Stücken einer zweispurigen, schwarzen Plastikrennbahn überschwemmt, die ähnlich Modelleisenbahnschienen zusammengesteckt wird.

Strom wird über zwei Aluminiumstreifen links und rechts neben dem "Slot" bereitgestellt, mit der gleichen Art Trafos, die für Modellzüge benutzt wird. Im ganzen Land bauen die Leute ihre "Slotcar“-Bahnen in Hobbyraum, auf Fußböden oder auf Pingpong-Tischen auf. Schnell gruppieren sich Klubs und jede Woche wird eine andere Rennstrecke für das Rennen zusammengestellt. Einige Enthusiasten nehmen die Mühe auf sich maßgeschneiderte Tische zu bauen, damit sie noch größere Strecken auslegen können. Üblicherweise werden die Abschnitte permanent mit der Tischplatte verschraubt, was einen reibungsloseren Betrieb ermöglicht.

Amerikaner sind nie sehr lange zufrieden wenn sie Sachen im Originalzustand belassen sollen. Die Tüftler haben ihren großen Auftritt. Mehr und mehr Enthusiasten mit Schreinerkenntnissen und -erfahrung beginnen mit aufwändigeren und längeren Anordnungen zu experimentieren. Einige sind mit nur zwei Spuren unglücklich, deshalb beginnen die Rennbahnen was Länge, Breite und Spurenanzahl angeht, an zu wachsen. Die Rennbahnen werden von drei auf vier, dann fünf, sechs, acht und einige sogar auf zehn oder zwölf Spuren erweitert.

Heutige Mietbahnen haben [fast immer] höchstens acht Spuren, um das Einsetzen der "entgleisten" Autos durch die "turn marshals"/Aufsetzer zu erleichtern. Alle erdenklichen Arten von Materialien werden für den Bau von Slotcarbahnen ausprobiert und wir haben alles gesehen - von Formica, Gips, Sperrholz, Pressspanplatte, Holzfaserplatte bis hin zu – kaum zu glauben - Beton?! Die Bahnen von heute, um 1000% ebener und schneller als in den frühen 60ern, werden aus MDF-Spanplatten [Medium Density Fiberboard] hergestellt - das gleiche Material wird für Lautsprechergehäuse benutzt, sowie für Küchen- und Badezimmereinrichtungen. Aber ich bin etwas in die Gegenwart abgeschweift, also wieder ein Stück zurück in die "goldenen" Zeiten…

1962 gründen ehemalige Ingenieure und Arbeitnehmer von AMF [American Machine and Fondry – Produzent unter anderem von Pinaufsetzmaschinen für Bowlingbahnen] in Kalifornien die Firma "American Model Raceways and Racing Congress". Mit Jahren von Fachkenntnis und Erfahrung konstruieren und bauen sie für kommerzielle Renncenter 8-spurige Bahnen, die in aller Welt Abnehmer finden. Die Bahnen sind ziemlich einzigartig und ihrer Zeit weit voraus, wenn auch sehr teuer.

Aber sie gehen weit darüber hinaus nur Slotbahnen zu bauen. Sie formulieren einen vollständigen Geschäftsplan und erstellen dicke Handbücher für allen Phasen des Renncenterbetriebs. Den Rennbahnen werden königliche Namen gegeben und man unterscheidet sie zusätzlich indem die Formica-Banden in verschiedenen Farben - Rot, Gelb, Grün, Schwarz, Orange, Purpurn und Blau – lackiert sind. Die Farbe und der Name sind gleichbedeutend geworden und jeder, der regelmäßig Rennen fährt, weiß um welche Bahn es sich handelt, wenn er nur eine Bezeichnung hört. Zum Beispiel wird die "Orange" auch "Monarch" genannt und hat 8 Spuren von 30 Meter [100 ft] Länge. Die "Red" ist die "Imperial" und bietet 45 Meter [150 ft] lange Spuren. Der "Sovereign" war American’s Riese - eine 66 Meter [220 ft] langer Traum, der letzten Endes bekannt wird, als die "Purple Mile".

Von allen Bahnen die American entwarf, stellt sich die letzte als die populärste heraus - die "Blue King" ist beinahe identisch mit der "Red Imperial" mit wenigen Änderungen. Mehrere frühe American Bahnen haben "Buckel" (was einige von uns schon bald "whoop-dee-doos" nennen), die deinen Rennwagen in den nächsten Stadtteil schießen, wenn man nicht aufpasst.

So ist es mit der 150 ft "Red" der Fall, die gleich zwei Sprunghügel auf der Hauptgeraden hat. Die "Red Imperial" hat auch eine flachere Steilkurve, flachere Kurven überall sonst und der Kreisel [später auch "Donut" genannt] hat eine kurze Gerade in der Mitte.

Als die "King" auf den Markt kommt, verlängert man die Rundenlänge um 1,5 Meter [5 ft], eine größere und steilere Steilkurve wird verbaut, man überhöht auch Streckenabschnitte, die auf der "Red" völlig flach sind und man macht den "Donut" vollkommen rund. Zur gleichen Zeit, als fast überall American Model Rennbahnen aufgebaut werden, fertigen zwei andere Firmen - Altech und Stan Engleman - auch Spitzen-Rennstrecken, wobei sie viele der bahnbrechenden Verfahren, die auch American benutzt, übernehmen.

Mitte der 60er gibt es im wahrsten Sinne des Wortes tausende von Renncenter- und Klubbahnen, alleine nur in den Vereinigten Staaten. Es gibt auch fast genauso viele "Mamma and Pappa" Betriebe mit selbst gefertigten Bahnen wie es Renncenter mit grossen American, Altech und Engleman Layouts gibt. Es ist der "Slotracing-Himmel" und es scheint als sei eine Slotbahn an jeder zweiten Ecke fast in jeder Stadt. Es dauert nicht lange und jeder Slotracer kennt die Slang-Fachsprache für spezielle Abschnitte der Bahn … die "high bank" die "short chute" der "deadman’s" der "finger", die "ninety", der "donut" die "lead-on" und die "main straightaway."


Ich hoffe, diese Geschichte von Ray "OldNSlow" Gardner [einer der Champion-Heroes der 60er/70er] hat euch gefallen.

totoslot







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